Die Prignitz: Wandern, Radeln, Wellness

Der Havelberger Dom, St. Marien wurde 1170 auf den Namen der Jungfrau Maria geweiht. |Foto: Horst Schröder/pixelio.de





Noch vor wenigen Jahren galt sie lediglich als Geheimtipp für Eingeweihte. Heute ist die im äußersten Nordwesten des Landes Brandenburg - etwa in der Mitte zwischen Berlin und Hamburg - gelegene aufstrebende Tourismusregion Prignitz ein Magnet für viele. Gerade auch mit zahlreichen Aktivangeboten für Bus- und andere Gruppenreisende. Im facettenreichen Zusammenspiel von Natur, Kultur, Kulinarik und Aktivurlaub hat der geschichtsträchtige Landstrich Prignitz, obzwar dünn besiedelt und strukturschwach, in den letzten Jahren einen spürbaren touristischen Aufschwung erreicht. Auch in der ersten Hälfte 2018 stieg die Zahl der Übernachtungen (plus 7,5 Prozent) weiter an. Im Gesamtjahr 2018 werden rund 400.000 Gästeübernachtungen erwartet. Parallel dazu kommen auch immer mehr Bus- und andere Reisegruppen in die verkehrsgünstig zwischen der Elbe und den Autobahnen A24 und A19 gelegenen nordwestlichsten Destination der Mark Brandenburg, die direkt an Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern grenzt (Vier-Länder-Eck).

Die auf slawische Siedlungen zurückgehende historische Landschaft Prignitz wurde nach vielen Kämpfen gegen die sogenannten „Heiden“ erst im Mittelalter ab dem 12. Jahrhundert zu einem politischen Gebilde. Damals entstanden auch solche heute noch bekannten Städte wie Havelberg, Perleberg, Lenzen, Wittstock, Wusterhausen/ Dosse und Kyritz. Selbst der Name „Prignitz“ stammt vom slawischen „pregnyca“ ab und bedeutet „undurchdringlicher Wald“. Aber das ist nun wirklich Geschichte.

Fokus auf Gruppenaktivitäten

Der Tourismusverband Prignitz e.V. mit Sitz in der Kreisstadt Perleberg richtet einen Fokus seiner Arbeit darauf, die Reiseregion unter dem Motto „Aktiv die Prignitz entdecken“ weiter bekannt und anziehend zu machen. Das entspricht dem aktuellen Trend, der den Aktivurlaub, verbunden mit Gruppenerlebnis und Gemeinschaftsgefühl, stark im Aufwand sieht. „Das Gruppensegment ist für unseren Verband sehr wichtig, wobei wir das Angebot zusammen mit unseren vielen Gastgeber-Partnern gerade auch im Aktivbereich laufend erweitern und qualifizieren“, betont Geschäftsführer Mike Laskewitz. Das Aktivangebot der Prignitz-Touristiker ist breit gefächert. Es reicht vom Radfahren und Wandern über Stadtführungen und -rundgänge, Segway-Touren, Selbstpflücken von Plantagenobst, Reiten und Kanusport, Eisenbahnromantik bis zu Fitness und Wellness.

So glänzt das staatlich anerkannte „Thermalsole- und Moorheilbad“ Bad Wilsnack mit einer hypermodernen Kristall Kur- und Gradier-Therme. Sie verfügt sowohl über Thermalwasser, eine großzügige Saunalandschaft und Brandenburgs erstes Gradierwerk als auch über einen echten Salzsee mit 24 Prozent Solegehalt. Ein Bad im sogenannten „Toten Meer der Prignitz“ ist auch bei schlechtem Wetter und Minusgraden möglich, denn der See ist mit einer lichtdurchlässigen Texlonkuppel überdacht und hat konstant 32 Grad Wassertemperatur. Unweit der Therme liegen zwei gruppenaffine Unterkünfte: das Vitalhotel ambiente und das Hotel an der Therme.

Nicht von ungefähr gilt das Flachland Prignitz generell als „Radlerparadies zwischen Elbe und Müritz“ mit einem gut ausgebauten, über innovative „Knotenpunktwegweisung“ verfügendes Radwegenetz von 1.100 Kilometern Länge und sechs Radfernwegen. Überaus stark frequentiert ist der beliebteste Radfernweg der Deutschen - der Elberadweg -, der immerhin auch 90 Kilometer durch die Prignitz führt. Recht beliebt bei Radenthusiasten sind des Weiteren der Elbe- Müritz-Rundweg, die Tour Brandenburg und die über 100 Kilometer lange „Prignitzer Bischofstour“. Sie verbindet die „Wiege der Prignitz“ - die schöne Domstadt Havelberg - mit der ebenfalls sehenswerten Stadt Wittstock/ Dosse und kann in mehreren Etappen befahren werden. Quer durch die Prignitz führend, berührt sie dabei viele wichtige Sehenswürdigkeiten der Region, wie die Kurstadt Bad Wilsnack, die mittelalterliche Plattenburg (älteste Wasserburg Norddeutschlands), die frühere preußische Tuchmacherstadt Pritzwalk und das bei Wittstock gelegene Kloster Stift Heiligengrabe, die besterhaltene Klosteranlage Brandenburgs.

Erlebnisreiche Entdeckungen

Ergänzend zu den Radfernwegen kommen 16 regionale Touren mit Kultur- und Naturcharakter. Besonders interessant: die Lenzerwische-Tour, die seit kurzem von Wittenberge aus auch mit dem schnellen PlusBus „Prignitzer Elbtalaue“ 944 angefahren wird. Vom Busbahnhof Lenzen aus lässt sich per Rad die für die Prignitz so typische Landschaft „Lenzerwische“ zwischen der Elbe und der Eldemündung erlebnisreich kennenlernen.

Übrigens, vielseitige Gruppenangebote zum Thema Radfahren strickt zum Beispiel Günter Lutz von der mobilen Reiseberatung „prignitzradler.de“. Er stellt bei Bedarf auch moderne Hardware, wie E-Bikes und Fatbikes, zur Verfügung. Sportive Segway- Touren in und um Perleberg bietet Patrick Bockelmann an.

Wer gern auf Schusters Rappen unterwegs ist, findet in der Prignitz zahlreiche gut ausgebaute und markierte Wanderwege.Recht bekannt ist bereits das Wandern zu Fuß oder per Rad in der Kyritz-Ruppiner Heide. Diese Naturlandschaft befindet sich unweit der 10.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Kyritz an der Knatter. Sie ist mit knapp 12.000 Hektar eine der größten zusammenhängenden Heidegebiete Europas. Jahrzehntelang bis 1993 diente das abgesperrte Areal als sowjetischer Truppenübungsplatz - im Volksmund „Bombodrom“ genannt. Hier konnte sich eine einzigartige Natur mit zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten entwickeln. Seit einigen Jahren ist die Heide wieder zugänglich, wobei wegen noch vorhandener Munitionsreste für Touren nur die sogenannte Südspange freigegeben ist. Am schönsten ist ein Heidebesuch natürlich von Mitte August bis Ende September, wenn die lila blühende Besenheide großflächig einen wahren Farbenrausch entfaltet.

Rundumblicke auf die Heidelandschaft

Ein günstiger Zugang zur Kyritz-Ruppiner Heide liegt bei der Ortschaft Pfalzheim, wo es einen großen Parkplatz auch für Busse gibt. Nach Terminvereinbarung stehen Busgruppen, Firmen, Schulklassen usw. zertifizierte Natur- und Landschaftsführer (www.heide-guide.de) ganzjährig für begleitete Touren der verschiedensten Art zur Verfügung. So bietet Andree Kienast Wanderungen und Sternebeobachtungen an, Olaf Wolff hat sich auf Nordic Walking-Ausflüge spezialisiert, Günter Lutz auf Radtouren. Auch Kutschfahrten und Kremserausflüge sind im Angebot. Beliebt ist bei solchen Touren „Fontanes Heidepicknick“ mit saisonal-regionalen Produkten, benannt nach dem bekannten märkischen Schriftsteller Theodor Fontane, dessen 200. Geburtstag 2019 gefeiert wird. Besonders gerne wird dafür der Heinz-Sielmann- Hügel ausgewählt, der einen schönen Rundumblick über die Heide gewährt. Demnächst soll auf dort sogar ein 15 Meter hoher Naturbeobachtungsturm gebaut werden. Sehr gut geeignet für Gruppen ist auch die geführte 12-Kilometer-Wanderung rund um das 450 ha große Rambower Moor. Dieses Naturjuwel mit seiner einzigartigen Flora und Fauna liegt im UNESCO-Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe-Brandenburg“. Auf den bunten Feuchtwiesen blühen im Frühjahr Orchideen, Kuckuckslichtnelken und Sumpfdotterblumen. Hier lässt sich auch der leuchtend orangefarbene Feuerfalter beobachten. Ein tolles Naturerlebnis im Winterhalbjahr ist der Einflug von Kranichen und Wildgänsen, die in der Abenddämmerung zu Tausenden ihre Schlafplätze im Moor aufsuchen. Ansprechpartner für Gruppen sind das BUND-Besucherzentrum Burg Lenzen bzw. die Naturwacht Lenzen. Nicht zuletzt ziehen in der Prignitz auch mehrere Pilgerwege die Besucher an. Ein vielbesuchtes Ziel - sogar von Berlin aus - ist dabei die international bekannte Wunderblutkirche in Bad Wilsnack. Und dann noch der Annenpfad: ein rekonstruierter Pilgerrundweg vom Kloster Stift Heiligengrabe, dem ältesten erhaltenen Zisterzienserrinnenkloster über die Wallfahrtskirche Alt Krüssow zur Feldsteinkirche Bölzke und zurück zum Kloster (jährliches Anpilgern an Gründonnerstag).

Für Liebhaber des Reitens und des Pferdesportes hält das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) mit 225-jähriger Tradition mehrere Gruppenangebote, wie Führungen und Kutschfahrten, bereit. Gruppengeeignete Kanutouren werden im Dosse-Seen-Land über Ober- und Untersee sowie auf der Elbe vom Freizeitpark Wittenberge und vom BUND-Besucherzentrum Burg Lenzen arrangiert. Für Bus- und andere Gruppentouristen verfügt die Prignitz über knapp ein Dutzend gut geeignete Unterkünfte. Gleichsam Flaggschiff der Hotellerie ist zweifellos das Hotel & Brauhaus „Alte Ölmühle“ in Wittenberge/Elbe. Mit viel Ideenreichtum und großem Engagement ist es der Eigentümer-Familie Lange seit 2008 gelungen, durch die denkmalsgerechte Umwandlung einer lange brachliegenden 18 Hektar großen Wittenberger Industrieanlage aus dem 19. Jahrhundert – der früheren Ölmühle – Schritt für Schritt ein in Deutschland wohl einzigartiges modernes Erlebnisareal zu schaffen. Immerhin wurden dabei bislang 15,5 Millionen Euro inkl. Fördermittel investiert.

Erlebnisareal „Alte Ölmühle“

Der direkt am Elberadweg gelegene markante Backsteinkomplex „Alte Ölmühle“ mit seinem neuen Flair bietet gerade auch aktiven Touristen vielseitige Leistungen aus einer Hand an: rustikale Gaststätte mit eigener Brauerei, zwei 4-Sterne-Hotelbereiche mit 124 Betten, neun Räume zum Tagen und Feiern, Biergarten, Café und Strandbar, Bootsanleger und eigenes Ausflugsschiff. Beliebte Aktivangebote sind ein Indoor-Kletterturm, ein Indoor-Tauchturm mit einer Tauchtiefe von 9,20 Meter und mehrere Fitnessräume. Neueste Attraktion ist die erst im Sommer in 15 Metern Höhe auf 2.300 Quadratmetern als Loft Spa eröffnete riesige Wellness- und Saunalandschaft mit acht Themensaunen, darunter eine 70-Personen-Aufguss-Sauna, von wo aus man dank Panorama-Glasfront auf die Elbtalaue schauen kann. Mehrere Bio- Saunen, ein Dampfbad, eine Himalaya- Salzgrotte und fünf Ruhezonen gehören ebenfalls dazu. Buchstäbliches Highlight ist der 400 Quadratmeter große, mit Saunazugängen versehene Dachgarten, der einen faszinierenden Blick über Wittenberge und die Elbe ermöglicht.

Die „Alte Ölmühle“ ist überaus busfreundlich, arbeitet regelmäßig mit Reiseveranstaltern zusammen und bietet die branchenüblichen Konditionen. „Der Stellenwert der Gruppentouristik ist bei uns sehr hoch. Der Anteil der Reisenden in Gruppen liegt weit über dem der Individualreisenden“, berichtet Marketingchefin Cornelia Leue. „Wir haben jährlich etwa 60 Busgruppen und rund 50 andere Reisegruppen.“ Für die Gruppen werden je nach Wunsch maßgeschneiderte Aufenthalts-, aber auch Ausflugsprogramme getreu der Devise „Aktiv die Prignitz entdecken“ erarbeitet.
Manfred Weghenkel

Attraktive Events 2019 für Reisegruppen

■■ 18. April bis 6. Oktober: Landesgartenschau Brandenburg in Wittstock/Dosse
■■ 16. bis 19. Mai: 22. Tour de Prignitz - Brandenburgs größte Radrundfahrt
■■ 27. Juli: Rühstädter Storchenfest im storchenreichsten Dorf Europas
■■ 24. August: Pilgerfest im Kur- und Wallfahrtsort Bad Wilsnack
■■ 29. August bis 1. September: Havelberger Pferdemarkt
■■ 22./23. Juni: Mittelalter-Spektakel auf der imposanten Plattenburg aus dem 14. Jahrhundert
■■ 12./13. Juli: 20. Elblandfestspiele Wittenberge mit prominenten Künstlern auf dem Festspielgelände Alte Ölmühle
■■ 7./14./21. September: Hengstparaden im Gestüt Neustadt/Dosse
■■ 14./15. September: 780-Jahr-Feier der Rolandstadt Perleberg, Kreisstadt des Landkreises Prignitz
■■ 28./29./31. Oktober: Herbstdampf bei der Prignitzer Kleinbahn „Pollo“

Foto: Dom von Havelberg Bild: Horst Schröder | pixelio.de