
Teaser Bild: Thorsten Wagner
Moderne und historische Schifffahrt umfassend erleben in Hamburgs ältestem noch erhaltenen Speicherbau mitten in der HafenCity: Das „Internationale Maritime Museum“ (IMM) am Brooktorhafen bietet eine einzigartige Entdeckungstour über neun faszinierend gestaltete „Themendecks“ – die wirklich an niedrige Schiffsdecks erinnern. Der Inhalt des Museums wird hauptsächlich von der weltweit größten maritimen Privatsammlung von Prof. Peter Tamm sen. abgedeckt. Gastro, Museumsshop, Zusatzausstellungen und Eventflächen runden das Erlebnis gekonnt ab. Für eine Reisegruppe bietet sich die Kombination mit einem Besuch der HafenCity, der Speicherstadt oder auch dem Wahrzeichen der „Elphi“ ausgesprochen sinnvoll an.
Beeindruckende Zahlen
Die reinen Zahlen sind schon beeindruckend genug: 12.000 m2 Ausstellungsfläche, 1.700 Großmodelle von Schiffen und 55.000 Miniaturmodelle im Maßstab 1:1.250, 7.000 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Aquarelle, 50.000 Konstruktionspläne sowie 120.000 Monografien und Sammelwerke. Es gibt eigentlich nichts Wesentliches zum Thema Schifffahrt, was es hier nicht zu sehen, erleben oder ausprobieren gibt. Und das in einer authentischen Atmosphäre, die sich äußerst wohltuend von anderen Museen mit ihren weißgetünchten Hallen abhebt.
„Eintauchen in eine andere Welt“ ist hier kein fescher Werbeslogan, sondern die absolut unvermeidliche Reaktion jedes interessierten Besuchers. Das fängt bereits vor dem imposanten Gebäude an, wo sich der Besucher mit einer Schiffsschraube des Tankers „Maaskerk“ mit 6 m Durchmesser vergleichen kann. Gewicht: 15,5 t! Etwas leichter dürfte das größte Segelschiffmodell des Museums sein: die „Wapen von Hamburg III“. Im Maßstab 1:16 und mit einer Länge von 3,5 m ist das 52-Kanonen-Schiff von 1722 prominent im Lichthof aufgehängt, wo es sich von jedem „Deck“ aus in einer anderen spannenden Perspektive zeigt.
Das kleinste Schiffsexponat ist wiederum das Modell einer Segeljolle im Maßstab 1:1.250. Die Länge beträgt ca. 5 mm! Dazwischen und auch noch darüber tummelt sich alles, was sich im und auf dem Wasser bewegen kann, so auch das 12 m lange Zwei-Mann-U-Boot Typ „Seehund“ – mithin das größte Exponat.
Nur hier können Besucher die „Königin der Meere“, Queen Mary 2, aus 780.000 Legosteinen mit Licht und Sound sehen und eigene kleine Werke in einer Werkstatt mitbauen. Oder sie entdecken in der „Schatzkammer“ wertvolle Schiffe aus Gold, Silber und Bernstein und bewundern eine weltweit einzigartige Sammlung von Knochenschiffen. Ebenfalls zum Staunen: Die große Welt der kleinen Schiffe – über 50.000 Miniaturmodelle zeigen die Entwicklung der Schifffahrt. Wind und Wellen, Entdecker und Piraten, Luxusliner und Containerriesen – das IMM bietet mit fast 100.000 Exponaten Geschichte und Seefahrt zum Erleben.
Ein ganzes Deck ist der Meeresforschung in allen Facetten gewidmet. Hier zeigen die meereskundlichen Institute des Konsortiums Deutsche Meeresforschung (KDM) ihre Arbeit. Proben vom Meeresgrund oder Filme aus der Tiefsee lassen kleine und große Besucher die Ozeane ganz neu entdecken.
Regelmäßig führen auch echte Seeleute die Besucher durch das Museum. Diese Kapitänsführungen zu verschiedenen Themen sind besonders beliebt. Ein weiteres Highlight: der professionelle Schiffsführungssimulator auf Deck 1, an dem die Besucher unter Anleitung fachkundiger Kapitäne ein 300 m langes Containerschiff in den Hamburger Hafen steuern können. Seit 2025 gehört zudem ein Schiffsführungssimulator für Kinder zu den Attraktionen des Museums. Seit dem 27. Februar 2025 präsentiert das Internationale Maritime Museum auch weltberühmte „Superyachten“. Auf „Deck 6“ werden 13 ausgewählte Modelle dauerhaft ausgestellt.
Bibliothek über Jahrzehnte aufgebaut
Eine Fachbibliothek zu allen Facetten und Aspekten der internationalen Schifffahrtsgeschichte rundet das museale Angebot wissenschaftlich ab. Das Eintauchen in eine Welt der Meere und Schiffe hat allerdingseinen Nachteil für den festen Tagesplan einer Busreise: Das Auftauchen braucht seine Zeit, wie im echten Seemannsleben. Drei bis vier Stunden sollte man auf jeden Fall für dieses maritime Kleinod einplanen, bevor man entspannt und hochinspiriert am Hafen entlangwandert in Richtung Elbphilharmonie und Landungsbrücken.Thorsten Wagner
![Zentrum des architektonisch aufregenden Museums ist der Lichthof mit der frei schwebend aufgehängten „Wapen[TW1.1] von Hamburg III.“, das von allen neun „Decks“ bestaunt werden kann. | Bild: Thorsten Wagner](https://www.busplaner.de/sites/default/files/public/images-fachartikel/3457032-100-dpi-rgb.jpg)
Zentrum des architektonisch aufregenden Museums ist der Lichthof mit der frei schwebend aufgehängten „Wapen[TW1.1] von Hamburg III.“, das von allen neun „Decks“ bestaunt werden kann. | Bild: Thorsten Wagner
Die Historie des „Kaispeichers B“
Seit 2015 ist das Maritime Museum Hamburg das Tor zum Weltkulturerbe Speicherstadt. Der Kaispeicher B am Magdeburger und Brooktorhafen wurde 1878/79 im Auftrag der Silospeicher Kommandit-Gesellschaft J.W. Boutin nach Plänen von Bernhard Georg Jacob Hanssen und Wilhelm Emil Meerwein gebaut – auf dem unweit westlich gelegenen Kaispeicher A wurde 2016 die Elbphilharmonie errichtet. Das zehnstöckige Backsteingebäude ist damit etwa zehn Jahre älter als die Häuser der Speicherstadt – und heute der älteste Speicher Hamburgs. Die Fassade mit ihren Giebeln, Gesimsen und Spitzbögen zeigt bereits den neogotischen Stil der „Hannoverschen Schule“, der für die Speicherstadt typisch werden sollte. Wie die anderen Gebäude der Speicherstadt war er zwar ein Zweckbau – aber ein repräsentativer. Im Jahre 1890 erwarb die Stadt Hamburg den Komplex. Am 14. Juni 2005 legten Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust und Museumsgründer Prof. Peter Tamm einen zweiten Grundstein im unrenovierten Speicher. Wenige Tage später begann der Umbau, für den die Stadt Hamburg 30 Mio. Euro aufbrachte. Der Plan für die Renovierung und – behutsame – Umgestaltung stammt von der Hamburger Architektin Mirjana Markovic (†). Sie sah vier korrespondierende „Lufträume“ vor, die jeweils drei Stockwerke des Speichers verbinden. Der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes erforderte Fingerspitzengefühl. Mehr als 150 Bauleute stemmten rund 50.000 Steine von Hand heraus, begutachteten und überarbeiteten sie und setzten sie wieder ein. Ein zweites Richtfest feierte die Peter Tamm Sen. Stiftung am 12. Mai 2006, und am 21. Dezember 2006 wurde der fertige Bau abgenommen: Das Internationale Maritime Museum Hamburg konnte einziehen. Eine Fußgängerbrücke im Norden und die öffentliche Passage durch das Gebäude mit Museumsshop und Bistro machen das Museum zu einem Bindeglied zwischen Speicherstadt und HafenCity sowie dem neu gestalteten Überseequartier mit tollen Shoppinggelegenheiten.
Die Decks im Überblick
- Deck 1: Die Entdeckung der Welt: Navigation und Kommunikation
- Deck 2: Mit dem Wind um die Welt: Schiffe unter Segeln
- Deck 3: Geschichte des Schiffbaus: Vom Handwerk zur Wissenschaft
- Deck 4: Dienst an Bord: Im Zeughaus der Geschichte
- Deck 5: Krieg und Frieden: Marinen der Welt seit 1815
- Deck 6: Moderne Seefahrt: Handels- und Passagierschifffahrt
- Deck 7: Expedition Meer: Das letzte Geheimnis der Erde
- Deck 8: Kunstsammlung: Marinemalerei und Schatzkammer
- Deck 9: Modelle: Die große Welt der kleinen Schiffe
- Deck 10: Eventbereich, Sonderveranstaltungen Das Internationale Maritime Museum Hamburg
Kontakt:
Internationales Maritime Museum Hamburg / Peter Tamm Sen. Stiftung
Kaispeicher B, Koreastr. 1
20457 Hamburg
Tel. 040 / 30092300
info@imm-hamburg.de
www.imm-hamburg.de (barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderung, teilweise barrierefrei für Menschen im Rollstuhl)
Gastronomie vor Ort: Restaurant „Catch of the Day“ und Café-Bar „Alte Liebe“
Aktuelle Sonderausstellung: „Fähr- und Fahrgastschifffahrt an Deutschlands Küsten“ (bis 12.04.2026)
Infos für Busunternehmen: Bushaltemöglichkeiten a. d. Brooktorkaibrücke (nur Ein-/Ausstieg, Nähe Museum), am Sandtorkai (nur Ein-/Ausstieg, Nähe Elbphilharmonie nach Fußweg durch Überseequartier und entlang Sandtorhafen) sowie Landungsbrücken und angrenzende Helgoländer Allee (Parken ganztägig möglich)
Literatur: Der sehr informative Museumsführer bietet für 10 Euro auf über 200 Seiten geballte Information über alle Aspekte des IMM. 2015, Koehlers Verlagsgesellschaft Hamburg, ISBN 978-3-7822-1231-1, www.koehler-books.de















