Von Wikingern bis vegan – eine Reise ins Tölzer Land

Gute Aussichten: Vom Herzogstandgipfel lässt sich das Tölzer Land von oben bestaunen.





Vor den Toren Münchens ist es zuhause, lockt mit Natur, Kultur sowie Brauchtum und setzt dazu noch auf Gesundheitstourismus: Das Tölzer Land ist vieles, nur nicht zu unterschätzen. Busunternehmer können sich auf jede Menge Highlights freuen.

Es strahlt. Gleichzeitig von oben und unten. Auf dem Boden ein gelber Blütenteppich wohin das Auge schaut. Ein weiß-blauer Himmel irgendwo darüber. „Bilderbuchidylle“ murmelt eine leise Stimme penetrant im Kopf, die sich seit der Ankunft im Tölzer Land aus unerklärlichen Gründen irgendwie nicht mehr abschalten lässt. Bedenklich oder nicht – Recht hat sie. Denn die bayerische Region, die sich südlich von München bis zur Tiroler Grenze erstreckt, und als Tourismusmarke die 21 Städte und Gemeinden des Landkreises Bad Tölz – Wolfratshausen vereint, setzt die Voralpenlandschaft mit ihren Aussichtsbergen, Seen und Ortschaften gekonnt in Szene.

Kein Wunder, dass bereits seit einiger Zeit Film- und Fernsehproduktionen auf die Region aufmerksam geworden sind. So zog es etwa Michael „Bully“ Herbig bereits für seine „Wicki“-Filme ins Tölzer Land – genauer gesagt an den Walchensee, der zur Gemeinde Kochel am See gehört. Noch heute kann ein Teil der Filmkulisse vom Wikingerdorf „Flake“ von Mitte April bis Anfang November besichtigt werden. Sonderführungen für Gruppen sind in den Sommermonaten möglich und regelmäßig Anfang September lockt ein zweitägiger Wikingermarkt mit Bogenturnier, Feuershow und Schaukämpfen zum Staunen und Flanieren. Doch schon lange bevor die Wikinger sich im Tölzer Land niederließen, fand bereits eine andere Persönlichkeit in der Region ihre Heimat. Der „Bulle von Tölz“ ermittelte bereits in den 90er Jahren erfolgreich rund um die Kurstadt Bad Tölz. Besucher können seit 2014 im „Bulle von Tölz Museum“ auf dessen Spuren wandeln, und alles über die Serie und ihre Darsteller erfahren.

Aber nicht nur die bekannte Film-Persönlichkeit lockt Reisende nach Bad Tölz. Auch Musik spielt in der Traditionsstadt eine große Rolle. Von Ende Mai bis Anfang Juni 2019 zieht etwa das fünfte Tölzer Knabenchorfestival Urlauber und Einheimische wieder in seinen Bann. Klare Stimmen, namhafte Dirigenten und internationale Gastchöre verzaubern die Zuhörer bei den verschiedenen Konzerten, die in der Stadt ihre Premieren feiern. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Planungen noch vage. Wir führen Gespräche mit Chören aus Finnland und Spanien, aber es gibt inzwischen sogar schon Bewerbungen von verschiedenen Chören unter anderem aus Japan, China und den USA.“, bestätigt Peter Schulz vom Konzertmanagement der Tölzer Knabenchor GmbH mit Sitz in München. Wer lieber im Freien als in Kirchen und Veranstaltungssälen wohligen Klängen lauscht, der lässt sich einfach in der Fußgängerzone von den Open-Air-Konzerten des Tölzer Knabenchors begeistern. Das Festival, das seit 2017 nur noch alle zwei Jahre stattfindet, ist jedoch nur eines der Angebote, die die Verantwortlichen vor Ort für die Busbranche bieten.

„Wir verzeichnen zunehmend Tagesbusreisen zu unseren touristischen Highlights wie beispielsweise den Rosentagen“, erklärt Gabi Peters vom Referat für Stadtmarketing, Tourismus- und Wirtschaftsförderung Bad Tölz. Bei der Veranstaltung, die jährlich im Frühjahr stattfindet, präsentieren zahlreiche Aussteller alles rund um die Themen „Garten“, „Pflanzen“, „Lifestyle“, „Kunst“ und „Genuss“. Für Reiseveranstalter, die nicht nur einen Kurztrip planen, sondern länger bleiben möchten, rät Peters frühzeitig zu buchen, um sich Kontingente zu sichern. Dies gelte besonders für die Hauptsaison. Busparkplätze stehen bei einzelnen Hotelbetrieben in Bad Tölz oder zentral an der Isar sowie am Moraltpark zur Verfügung, so die Tourismus-Expertin. Und wenn das Fahrzeug erst einmal steht, kann es für Busunternehmer und Kunden bedenkenlos auf Erkundungstour gehen. Denn egal ob Bergfex, Naturliebhaber oder Kultur-Fan – jeder findet in der bayerischen Region sein Highlight.

Und besonders in Punkto Kultur hat das Tölzer Land aktuell einiges zu bieten. So feiert in diesem Jahr beispielsweise das „neue“ Franz Marc Museum sein zehnjähriges Jubiläum. Der Museumsneubau – der die Werke des expressionistischen Künstlers Franz Marc und einiger seiner Zeitgenossen wie Wassily Kandinsky und August Macke beheimatet – wurde im Juni 2008 in Kochel am See eröffnet. Durch die Baumaßnahmen wurde die vorher kleine Ausstellungsfläche von rund 100 qm auf 700 qm erweitert. Besucher können sich im Jubiläumsjahr auf neue Ausstellungen und Einblicke in die Kunst des 20. Jahrhunderts freuen (siehe Interview Seite 11).

Oder doch lieber ein Abstecher zum Kloster Benediktbeuern? Das ehemalige Benediktinerkloster ist heute Sitz der Sale-sianer Don Boscos, eine katholische Ordensgemeinschaft, die sich weltweit im Sinne ihres Gründers Johannes Bosco (1815-1888) für junge Menschen einsetzt. Führungen für Reisegruppen mit Besichtigung unter anderem der ehemaligen Abtei- und heutigen Pfarrkirche St. Benedikt, des Vorraums der Anastasia-Kapelle, der historische Fraunhofer Glashütte, die an die Benediktbeurer Tätigkeit des berühmten Optikers erinnert, und des Kurfürstensaals ist nach Voranmeldung möglich genauso wie Sonderführungen zu dem Thema „Fraunhofers Wirken und Leben in Benediktbeuern“. Die Gruppenrundgänge können zusätzlich mit einem Besuch des Kloster-Cafés verbunden werden – entweder mit einem Weißwurstfrühstück, das ab 20 Personen buchbar ist, oder einer Kaffeepause, die ab 15 Personen hinzugebucht werden kann.

Johannifloßprozession im Jahr 2020

Während die Bräuche und Traditionen im Kloster seit langer Zeit das Leben der Bewohner vor Ort bestimmen, blicken viele weltliche Brauchtumsveranstaltungen auf eine etwas jüngere Geschichte zurück. Seit 1994 etwa begeistert alle drei Jahre – das nächste Mal Ende Mai 2020 – die Johannifloßprozession in Wolfratshausen Gäste und Einheimische gleichermaßen. Los geht es in der Dämmerung, wenn drei 18 Meter lange Flöße vollbesetzt die Loisach hinabgleiten und um den Segen des Brückenheiligen St. Johannes Nepomuk bitten. Während die schwimmenden Holzgefährte ihre Reise antreten, zieht ein Festzug aus Traditionsvereinen und Gästen vom Marienplatz in Wolfratshausen zur alten Floßlände, um die schippernden Giganten an ihrer ersten Haltestelle zu begrüßen.

Bevor es für die Flöße weiter gen Kastenmühlwehr geht, erfolgt eine Segnung durch den evangelischen sowie den katholischen Pfarrer. „Dies ist der ergreifende Höhepunkt der Prozession“, bekräftigt Josef Seitner, der zu einer der alteingesessenen Flößerfamilien in Wolfratshausen zählt und seit 2001 eines der Flöße steuert. Ehrengäste wie Edmund Stoiber konnte er schon auf seinem Gefährt chauffieren, verrät er stolz. Am Endpunkt der Fahrt wartet neben volkstümlicher Musik noch ein großes Feuerwerk über dem Bergwald. Wer neben kulturellem Genuss und live miterlebten Traditionsveranstaltungen noch etwas für seine Gesundheit tun möchte, hat in Bad Tölz ebenfalls das richtige Fleckchen gefunden. Denn in jedem Frühjahr und Herbst richtet sich der Fokus der Stadt auf eine „vegane Auszeit“. Beim „Tölzer Veg“ erfahren Besucher alles über die vegane Ernährung, können sich von Experten beraten lassen und bei Kochkursen und Workshops selbst einmal die vegane Küche ausprobieren. „Unser Angebot richtet sich an alle, die ihre eingefahrenen Ernährungspfade verlassen wollen und sich zwanglos auf eine Entdeckungstour einlassen – durch die Kulinarik ebenso wie den eigenen Körper“, erklärt Brita Hohenreiter, Tourismusdirektorin von Bad Tölz, die den Kurort in der Pflicht sieht, Impulsgeber für alles zu sein, was dem menschlichen Körper guttut. Und gut tun wird den meisten Reisenden das Tölzer Land auf jeden Fall – ob nun als Gesundheitstourist oder einfach nur zum Genießen, Abschalten und Relaxen. (Julia Lenhardt)

Foto: Franz Marc Museum;Klaus Krink/Tölzer Land Tourismus;Thomas Kujat;Doris Leuschner;Peter von Feldbert/Tölzer Land Tourismus